Felines Coronavirus (FCoV)

Das Coronavirus wird fälschlicherweise als FIP-Virus bezeichnet. Ein solches eigenständiges Virus gibt es jedoch nicht. Die FIP wird unter ungünstigen Bedingungen durch das feline Coronavirus ausgelöst. Während es bei den einen Katzen zu einer FIP-Infektion führt, kann es bei den anderen Katzen Durchfälle unterschiedlicher Intensität und Dauer hervorrufen. Manche Katzen lassen sich dagegen die Infektion mit dem Coronavirus nicht anmerken; ihr Immunsystem kann das Virus eliminieren, als wäre nichts geschehen. Diese Wandelbarkeit macht das feline Coronavirus zu einem schwer einschätzbaren und sehr gefährlichen Gegner. Wer die Krankheit verstehen will sollte das Virus kennen.


Was ist ein Coronavirus?

Zu der Familie der Coronaviridae gehören die Gattungen Coronavirus und Torovirus. Es handelt sich um behüllte einzelsträngige RNA-Viren. Sie verursachen verschiedene Erkrankungen bei Säugetieren und Vögeln, wie die Gastroenteritis des Schweins, Durchfallerkrankungen beim Rind und die Infektiöse Bronchitis des Huhns. Beim Menschen verursachen sie Durchfälle, Atemwegserkrankungen bis hin zu schweren akuten Atemwegssyndrom.

Seit wann kennt man das Coronavirus?

Im Jahre 1968 wurde ein Virus bei Erkrankten Katzen nachgewiesen, dass aufgrund seines auffälligsten hervorgerufenen Symptoms, der Entzündung des Bauchfells, als Felines Infektiöses Peritonitis-Virus bezeichnet wurde. Erst Ende der 1970er Jahre konnte dieses Virus den Coronaviren zugeordnet werden. Es wurde erst angenommen, dass zwei Coronavirusarten bei Katzen existieren. Zum einen das häufig vorkommende normale Coronavirus, das keine schwerwiegende Erkrankungen oder höchstens Durchfall hervorruft und nur im Darmtrakt und den regionalen Lymphknoten vorkommt. Zum anderen gibt es das seltenere Coronavirus, das eine tödliche Krankheit auslöst und sich in bestimmten Zellen, den sogenannten Makrophagen und Monozyten, gut vermehrt. Durch die immense Zunahme medizinischen Wissens und den Verbesserungen in den Bereichen der Mikroskopie, Elektronenmikroskopie, Genetik und Virologie konnte das geheimnisvolle Virus entschlüsselt werden. 1987 wurde erstmals der Verdacht geäußert, dass diese beiden unterschiedlichen Coronaviren ein und dasselbe Virus darstellen und sich nur hinsichtlich ihrer krankmachenden Eigenschaften unterscheiden. Erst im Jahre 1998 gelang es einer Forschungsgruppe zu beweisen, dass das die FIP auslösende Coronavirus lediglich eine Mutation des durchfall auslösenden Coronavirus darstellt. Seit dem Jahr 2000 wird der Erreger einheitlich als Felines Coronavirus (FCoV) bezeichnet.

Wo kommt das Virus vor?

Feline Coronaviren kommen ohne Ausnahme auf der ganzen Welt vor. An der FIP können nicht nur unsere Hauskatzen erkranken sondern auch Leoparden, Löwen, Geparden, Luchse und Wildkatzen. Insbesondere dort, wo viele Tiere eng zusammenleben, kommt das FCoV

gehäuft vor. Ungefähr 50% aller Katzen in Deutschland haben Antikörper gegen Coronaviren; diese Katzen hatten schon einmal in Ihrem Leben Kontakt mit dem FCoV. Der Hauptübertragungsweg des Virus verläuft über Kontakt mit dem Kot, aber auch über den Speichel ist eine Übertragung möglich. Scheidet eine Katze mit dem Kot das Virus aus, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sich durch das Benutzen derselben Katzentoilette alle anderen Katzen mit dem Virus infizieren können.

Wo kommt das Virus selten vor?

Überall dort wo Katzen alleine leben und sich keine Ess-, Trink- und Kotplätze mit anderen Katzen teilen, sind Infektionen mit dem Coronavirus selten.

Was sind Antikörper?

Antikörper sind körpereigene Eiweiße, die von Katzen, aber auch von allen anderen Wirbeltieren als Reaktion auf bestimmte Stoffe gebildet werden. In unserem Fall stellen die Coronaviren das Antigen dar, gegen das vom Immunsystem Antikörper gebildet werden. Die so entstandenen Antikörper binden die Antigene, also die Vieren, sodass diese keinen weiteren Schaden anrichten können. Der Nachweis von Antikörpern im Blut sagt jedoch nichts darüber aus, ob das Virus noch vorhanden ist oder nicht. Der Antikörpernachweis dient lediglich zur Klärung, ob zuvor eine Infektion vorgelegen hat oder nicht. Nicht immer können Antikörper die Auswirkungen einer Infektion verhindern, wie leider deutlich an der FIP zu sehen ist.

Kann das mutierte Virus erkannt werden?

Nein. Könnte man das mutierte, also das FIP auslösende Virus, und das eigentlich harmlose Coronavirus derart vergrößern, dass man es in den Händen halten könnte, würde man zwischen diesen beiden Viren keinen Unterschied erkennen. Lediglich die Eigenschaft des mutierten Virus, in Makrophagen einzudringen, erlaubt eine Unterscheidung. Somit kann leider nur durch das Verhalten des Virus eine Aussage hinsichtlich seiner krankmachenden Eigenschaften getroffen werden. Dann ist es aber bereits zu spät.

Warum mutiert das Coronavirus?

Die FIP entsteht, wenn es während der Virusvermehrung zu einer Mutation in bestimmten Genabschnitten kommt. Erst durch diese Mutation ist das Virus in der Lage, sich in Makrophagen zu vermehren und lebensbedrohliche Symptome hervorzurufen. Die Wahrscheinlichkeit einer Virusmutation steigt durch begünstigte Faktoren wie beispielsweise ein eingeschränkt funktionierendes Immunsystems. Hier sind besonders junge und alte Katzen gefährdet, aber auch Katzen, deren Immunsystem durch äußere Einflüsse wie Stress oder die Gabe von Kortison beeinträchtigt ist. Eine zusätzliche Infektion mit dem felinen Leukämievirus und dem felinen Immundefizienzvirus kann ebenfalls die Mutationsrate erhöhen. Aber auch die sich dauerhaft wiederholdende Infektion mit dem Coronavirus auf der Katzentoilette- sei es durch den eigenen oder der Kot anderer Katzen-

erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Virusmutation, und somit das Risiko, an der FIP zu erkranken.